
Im Grunde geht es bei Selbstverteidigung darum, selbst ein schwieriges Ziel zu sein ein sogenanntes tough target.
Dabei spielen körperliche Wehrhaftigkeit, erlernte Fähigkeiten (skills) und Ausrüstung (equipment) eine eher untergeordnete Rolle. Entscheidend ist vielmehr die innere Einstellung, die Denkweise das Mindset.
Der Fokus liegt darauf, aufmerksam zu sein, Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen, sie wenn möglich zu meiden und sich gedanklich mit Selbstverteidigung auseinanderzusetzen. Genau dieser mentale Bereich ist der umfassendste.
Es geht darum, sich Wissen rund um Selbstverteidigung anzueignen. Wissen beeinflusst in bedrohlichen Situationen unsere Handlungsabläufe. Es reduziert Angst und Panik zwei Faktoren, die uns in selten erlebten Extremsituationen schnell lähmen und handlungsunfähig machen können.
Ein Beispiel verdeutlicht dies:
Als der Tsunami vor rund zwanzig Jahren auf die asiatischen Küsten zuraste, beobachteten manche Menschen die sich zurückziehende See und die herannahenden Wassermassen minutenlang bis sie von den Wellen erfasst wurden. Andere deuteten diese Zeichen richtig oder verliessen spätestens bei Sichtkontakt mit den schäumenden Wassermassen den Strand und retteten sich ins Hinterland. Ihr Wissen hat ihr Leben gerettet.
Angst lässt sich jedoch nicht immer besiegen.
Vor vielen Jahren befand ich mich auf einer dienstlichen Flugreise, als der Flugkapitän uns darüber informierte, dass aufgrund eines technischen Defekts ein Ausfall mehrerer Hydraulikkomponenten, das Fahrwerk liess sich nicht regulär ausfahren bei der bevorstehenden Landung mit dem Schlimmsten zu rechnen sei. Diese Information erfolgte nicht über eine Durchsage, sondern persönlich, nachdem alle Passagiere zusammengerufen worden waren.
Die Sorge war gross. Erst durch das Notverfahren der Free Fall Extension konnte das Fahrwerk schliesslich doch noch verriegelt werden. Die rund zwei Stunden bis zur Landung waren dennoch von massiver Anspannung und Angst geprägt bei allen Anwesenden. Eine Flucht oder ein Ausweichen war unmöglich. Und die oft zitierte Atemtechnik zur Angstreduktion war zumindest für mich in dieser Situation keine Hilfe.
Gedankliche Auseinandersetzung mit Selbstverteidigung, verbunden mit realitätsbasiertem Training, wirkt sich dennoch in jedem Fall positiv aus. Sie ersetzt keine Angst aber sie verändert den Umgang mit ihr und erhöht die eigene Handlungsfähigkeit.